Qualität der Immobilienbewertung

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Die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnten im Bereich der Immobilienbewertung führt zu einem ständig breiter werdenden Angebot von Anbietern bei gleichzeitig zunehmendem Verlust der Transparenz zur Einschätzung der Qualität. Das Bild verschiebt sich vom Verständnis des „traditionellen Sachverständigen“ in Richtung größerer Unternehmen in unterschiedlichster Ausgestaltung.

Früher war es durchaus üblich, die Sachverständigentätigkeit, aufbauend auf dem Hauptberuf einer geeigneten Branche, wie beispielsweise bei Architekten, auszuüben. Entscheidend war und ist die Qualität der Wissensgrundlage mit gewachsenen, persönlichen Praxiserfahrungen und fortwährenden originären Marktkenntnissen aus fundierten primären Quellen. Neben einem fachlichen, erfahrungsbasierten Gespür ist insbesondere eine umfassende Kenntnis lokaler Märkte wichtig, da hier ein bedeutender Anteil der Wertermittlungsobjekte angesiedelt ist. Ebenso ist die Besichtigung einer Immobilie vor Ort - der sogenannte Ortstermin - ein wichtiges Instrument der Erkenntnisgewinnung. Gerade bei der Erkenntnisgewinnung bezogen auf den individuellen Einzelfall und der Informationsrecherche ist besonders darauf zu achten, die Qualität einer Information sorgfältig zu prüfen und sich nicht auf einen ungesicherten „Zweitmarkt“ der Informationsbeschaffung zu verlassen.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung begünstigen diese Entwicklungen der Branche. Wo früher noch die qualifizierte Sach- und Fachkunde in dem sensiblen Bereich einer zuverlässigen Immobilienbewertung im Vordergrund stand, werden vor allem über das Internet neue Geschäftsfelder im weiter gefassten Immobilienbereich erschlossen, die nicht ihre Hauptkompetenz in der eigentlichen Wertermittlungspraxis haben. So findet man im Internet zunehmend auf den ersten Blick verlockend erscheinende Alternativen zu qualifizierten Sachverständigen-Gutachten, sei es als kostengünstiges Niedrigpreisangebot oder gar als „Gratisversion auf Knopfdruck“ für ein breites Publikum von Internetnutzern. Aufgrund ähnlich klingender Begrifflichkeiten, die sich der Vorannahmen hieraus bedienen, besteht die Gefahr einer Fehleinschätzung über die Geeignetheit dieses Produkts zum angestrebten Zweck.

Tatsächlich macht es einen großen Unterschied, ob ein „Wert“ nur kalkuliert oder fachgerecht unter gewissenhafter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Merkmale mit dem einschlägigen Verfahren ermittelt wird. Für den Kunden, der eine weitreichende wirtschaftliche Entscheidung über die in Frage stehende Immobile trifft, ist dies mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko behaftet. Der Schaden durch fehlerhafte Annahmen kann ungleich größer als der Nutzen der Kostenersparnis einer günstig erscheinenden Alternative sein.

Nur unter professioneller Berücksichtigung aller individuellen, auf ihren Einzelfall bezogenen Merkmale und Besonderheiten, kann eine qualitätssichere Wertermittlung eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage sein.