Gutachterliche Stellungnahme

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Ausgangspunkt für die Auftragsdefinition sind in der Regel die beiden klassischen Leistungsbilder der Sachverständigentätigkeit, nämlich das Gutachten einerseits und die Beratung andererseits. Diese beiden Produkte unterliegen nicht nur unterschiedlichen Rechtsregeln z.B. hinsichtlich Gewährleistung und Haftung, sondern die Leser eines Gutachtens verknüpfen auch bestimmte Erwartungen mit dem jeweiligen Produkt.

Der Markt fordert von den Sachverständigen nicht selten, beide Leistungsbilder gleichzeitig zu erbringen oder eine Modifizierung des Produktes Gutachten. In der Praxis sind deshalb nicht nur Gutachten, sondern eine Vielzahl weiterer Produktbezeichnungen anzutreffen. Neben dem Bericht, der Expertise, dem Formulargutachten, dem Kurzgutachten, dem Protokoll, der gutachterlichen Stellungnahme, dem Verkehrswertgutachten, der Schätzung, dem Schiedsgutachten, verschiedenen Formen von Zertifikaten und Konformitätsbestätigungen existieren weitere Begriffsvarianten.

Die Bezeichnung gutachterliche Stellungnahme bietet sich an, wenn nur bestimmte Fragestellungen aus einem Gesamtkomplex sachverständig beurteilt werden sollen.

Bspw. wird ein von einem Sachverständigen ausgearbeiteter Vorschlag zur Beseitigung von Mängeln in der Regel als gutachterliche Stellungnahme und nicht als Gutachten bezeichnet. Gleiches gilt, wenn Sachverständige bestimmte Punkte aus ihren Gutachten auf Nachfrage noch detaillierter ausführen oder näher begründen sollen ohne dass es sich jedoch um eine neue oder zusätzliche Fragestellung handelt, die ein Ergänzungsgutachten rechtfertigen würde.

In der Praxis haben gutachterliche Stellungnahmen deshalb regelmäßig einen geringeren Seitenumfang als Gutachten und sind hinsichtlich des Aufbaus weniger stark formalisiert.

Gutachterliche Stellungnahmen als Alternative zum Vollgutachten?

Je nach Ihrer persönlichen und wirtschaftlichen Ausgangs- und Interessenlage kann es zielführend für Sie sein, die Möglichkeiten einer gutachterlichen Stellungnahme zu nutzen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dafür auch der Begriff des sogenannten Kurzgutachtens verwendet.

Im Unterschied zum Verkehrswertgutenachtens als Vollgutachten kann sich die gutachterliche Stellungnahme dabei auf die wesentlichen Kriterien fokussieren ohne sämtliche Anforderungen eines umfangreichen und detaillierten Vollgutachtens auszuweisen, wobei es sich jedoch nach den bewährten Aufbauregeln eines umfangreichen Sachverständigengutachtens orientiert.

Ebenso wie beim Vollgutachten liefert es Ihnen eine gutachterlich neutrale, fundierte Entscheidungsgrundlage bezogen auf Ihre Ausgangslage und unterstützt Sie mit belastbaren Argumenten für Ihren Bedarfsfall.

Diese Möglichkeit kann zeit- und kostensparend genutzt werden, wenn der Anlass der Bewertung kein Vollgutachten erfordert, insbesondere dann, wenn kein streitbefangener Bezug vorliegt.

Häufige Anlässe sind beispielsweise die Wertfindung bei privatem Immobilienerwerb- /Verkauf oder außergerichtliche Wertausgleiche meist aus privaten Bereichen.

Wir beraten Sie gerne dazu, ob für Sie eine zeit- und kostengünstige Alternative zum Verkehrswertgutachten als Vollgutachten geeignet ist.